Rechnungsverarbeitung automatisieren: Eingangsrechnungen ohne Abtippen
Zuletzt aktualisiert: · von Mitja Beuthe, AI Workflow (Klagenfurt)
Rechnungsverarbeitung automatisieren heißt: Eingangsrechnungen laufen vom Postfach bis zur Buchung, ohne dass jemand Beträge abtippt. Ein Workflow sammelt die Rechnungen ein, liest Lieferant, Datum, Betrag und Steuer aus, prüft Pflichtangaben und Dubletten und legt sie zur Freigabe vor. Du entscheidest nur noch über Freigaben und Ausnahmen. Für KMU in Österreich reicht dafür meist ein Ablauf zwischen E-Mail, einem KI-Modell und der vorhandenen Buchhaltung wie BMD, RZL oder DATEV.

Dieser Beitrag behandelt Eingangsrechnungen, also Rechnungen, die dein Betrieb von Lieferanten bekommt. Wie du eigene Rechnungen an Kunden automatisch schreibst und verschickst, steht im Artikel Rechnungen automatisieren. Steuerkanzleien, die Belege ihrer Mandanten verarbeiten, finden den passenden Ablauf weiter unten im Abschnitt Belegerfassung automatisieren in der Steuerkanzlei.
Wie du andere Dokumente wie Lieferscheine, Verträge oder Protokolle automatisch ausliest, ablegst und nach § 132 BAO archivierst, steht im Beitrag Dokumentenprozesse automatisieren.
Was heißt es, die Rechnungsverarbeitung zu automatisieren?
Jede Eingangsrechnung durchläuft dieselben sechs Stationen: Sie kommt an, jemand liest die Daten aus, prüft sie, gibt sie frei, bucht sie und bezahlt sie. In vielen kleinen Betrieben passiert das heute mit Outlook, Excel und einem Ordner am Schreibtisch. Wer die Rechnungsverarbeitung automatisieren will, lässt die ersten Schritte von einem Workflow erledigen und behält die Entscheidungen beim Menschen.
| Station | Heute oft manuell | Automatisiert | Wer entscheidet |
|---|---|---|---|
| 1. Eingang | Rechnungen kommen per Mail, Post und aus Kundenportalen | eine Sammeladresse, der Workflow holt Anhänge ab | niemand |
| 2. Auslesen | Beträge in Excel oder die Buchhaltung tippen | E-Rechnung wird direkt gelesen, PDF und Foto liest ein KI-Modell | niemand |
| 3. Prüfen | Pflichtangaben und Summen per Auge kontrollieren | Regeln prüfen Pflichtangaben, Summen, Dubletten und Bankdaten | Mensch bei Abweichungen |
| 4. Freigabe | Rechnung ausdrucken oder weiterleiten und warten | Freigabe per Link, gestaffelt nach Betrag | Mensch |
| 5. Buchen | Buchhaltung erfasst jede Rechnung einzeln | Übergabe an BMD, RZL, DATEV oder die Steuerkanzlei | Buchhaltung kontrolliert |
| 6. Zahlen und ablegen | Überweisung abtippen, Papier abheften | Zahlungsvorschlag nach Fälligkeit, Ablage im Archiv | Mensch gibt Zahlung frei |
Die Spalte rechts ist der wichtigste Teil. Eine gute Automatisierung nimmt dir das Abtippen und Suchen ab, trifft aber keine Zahlungsentscheidung allein. Sie legt dir fertig geprüfte Rechnungen vor und markiert, was auffällt.
Was kostet eine Eingangsrechnung, die jemand abtippt?
Eine belastbare Zahl für Österreich haben wir nicht gefunden. Die bekannteste Messreihe kommt aus den USA: Laut Ardent Partners kostete die Bearbeitung einer Eingangsrechnung 2025 im Schnitt 9,84 US-Dollar, vom Eingang bis zur Freigabe vergingen 8,2 Tage. Die Betriebe mit dem besten Ablauf lagen bei den Kosten um 79 % darunter. Das sind US-Durchschnittswerte. Für einen kleinen Betrieb in Österreich ist die eigene Arbeitszeit die bessere Rechengröße.
Darum eine eigene Modellrechnung mit offenen Annahmen: 12 Minuten pro Rechnung von Hand (öffnen, abtippen, prüfen, weiterleiten, ablegen), 2 Minuten mit Automatisierung für Kontrolle und Freigabe und 40 € interne Kosten pro Arbeitsstunde. Setz deine eigenen Werte ein, das Muster bleibt gleich.
| Rechnungen pro Monat | Zeit manuell | Zeit automatisiert | Ersparnis pro Monat | Wert pro Monat |
|---|---|---|---|---|
| 20 Rechnungen | 4 Stunden | 0,7 Stunden | 3,3 Stunden | 133 € |
| 50 Rechnungen | 10 Stunden | 1,7 Stunden | 8,3 Stunden | 333 € |
| 200 Rechnungen | 40 Stunden | 6,7 Stunden | 33,3 Stunden | 1.333 € |
Ab etwa 50 Rechnungen im Monat kommt so ein voller Arbeitstag pro Monat zusammen. Bei 20 Rechnungen sind es gut drei Stunden, dort lohnt sich eher ein kleiner Ablauf für die häufigsten Lieferanten als ein großes System. Dazu kommt, was sich schwer in Minuten messen lässt: verpasstes Skonto, doppelt bezahlte Rechnungen und die Suche nach Belegen, wenn die Steuerkanzlei nachfragt.
E-Rechnung in Österreich: was 2026 gilt und was kommt
Eine E-Rechnung im engeren Sinn enthält die Rechnungsdaten in einem strukturierten Format wie ebInterface, XRechnung oder ZUGFeRD (ein PDF mit eingebetteten XML-Daten). Ein Programm kann sie ohne Texterkennung lesen. Umsatzsteuerlich gilt laut Unternehmensserviceportal in Österreich auch ein PDF per E-Mail als elektronische Rechnung, sofern der Empfänger zustimmt und Echtheit, Unversehrtheit und Lesbarkeit gewährleistet sind. Für die Automatisierung ist das ein großer Unterschied: Das XML liefert fertige Daten, das PDF muss erst ausgelesen werden.
Verbreitet ist die strukturierte E-Rechnung in Österreich noch wenig. Laut Statistik Austria verschickten 22,1 % der Unternehmen ab 10 Beschäftigten Rechnungen, die sich automatisch verarbeiten lassen, im EU-Schnitt waren es 38,7 %. Papierrechnungen verschickten 87,7 %, PDF und andere nicht maschinenlesbare Formate 86,3 % (Referenzjahr 2022, Erhebung 2023). Neuere Werte gibt es nicht, die Frage wurde seither nicht mehr gestellt.
Die Fristen im Überblick (Stand September 2026):
| Regel | Seit bzw. ab | Betrifft dich, wenn |
|---|---|---|
| E-Rechnung an den Bund über USP oder PEPPOL, ein PDF gilt dort nicht als eingebracht | 1. Jänner 2014 | du an Bundesdienststellen lieferst |
| EU-Staaten dürfen eine nationale E-Rechnungspflicht ohne Genehmigung einführen (ViDA) | 14. April 2025 | Österreich davon Gebrauch macht, beschlossen ist das nicht |
| Deutschland: Unternehmen müssen E-Rechnungen empfangen können | 1. Jänner 2025 | dein Betrieb Sitz oder Betriebsstätte in Deutschland hat |
| Deutschland: Pflicht, E-Rechnungen auszustellen | 1. Jänner 2027, bei Vorjahresumsatz bis 800.000 € ab 1. Jänner 2028 | beide Seiten in Deutschland ansässig sind |
| EU: E-Rechnung und digitale Meldung für grenzüberschreitende B2B-Umsätze (ViDA) | 1. Juli 2030 | du an Unternehmen in anderen EU-Staaten lieferst |
Für einen österreichischen Betrieb heißt das: Eine Pflicht, E-Rechnungen an andere Unternehmen zu schicken, gibt es derzeit nicht. Ob Österreich eine einführt, ist laut EY Österreich offen. Das Regierungsprogramm 2025 bis 2029 plant nur, die E-Zustellung auf Schriftstücke von Unternehmen auszudehnen, XML-Rechnungen eingeschlossen. Einige Ratgeber im Netz nennen für Österreich eine Pflicht ab 2028. Eine Quelle dafür haben wir nicht gefunden.
Die deutsche Pflicht betrifft dich laut deutschem Finanzministerium nur, wenn dein Betrieb Sitz, Geschäftsleitung oder eine beteiligte Betriebsstätte in Deutschland hat. Die EU-Regeln stehen in der Richtlinie (EU) 2025/516, eine Zusammenfassung liefert die EU-Kommission. Planst du, die Rechnungsverarbeitung automatisieren zu lassen, nimm trotzdem beide Wege mit: XML direkt lesen, PDF auslesen lassen. Dann ist dein Ablauf für 2030 schon vorbereitet.
Beim Prüfen helfen die Grenzen aus § 11 UStG. Eine Kleinbetragsrechnung bis 400 € brutto braucht weniger Angaben. Darüber müssen unter anderem Name und Anschrift beider Seiten, eine fortlaufende Rechnungsnummer, Leistungsdatum, Nettobetrag, Steuersatz, Steuerbetrag und die UID-Nummer des Lieferanten draufstehen. Übersteigt der Gesamtbetrag 10.000 €, gehört auch deine UID-Nummer dazu. Eine Übersicht hat das Unternehmensserviceportal.
Rechnungsverarbeitung automatisieren in 6 Schritten
Um die Rechnungsverarbeitung automatisieren zu können, brauchst du keine neue Buchhaltung. Die Reihenfolge ist bewusst gewählt, jeder Schritt funktioniert für sich, du kannst also mit dem ersten starten und die anderen nachziehen, wenn er stabil läuft.
Schritt 1: Einen einzigen Eingang für alle Rechnungen festlegen
Automatisierung scheitert selten an der Technik, meistens an verstreuten Eingängen. Leg eine eigene Adresse wie rechnung@deinefirma.at an und gib sie allen Lieferanten bekannt. Papierrechnungen fotografierst du mit dem Handy und legst sie im selben Ordner ab. Wie ein Workflow Rechnungen aus einem gemischten Postfach herausfischt, zeigt der Abschnitt Posteingang automatisieren im Beitrag zu Kundenanfragen.
Schritt 2: Rechnungsdaten auslesen lassen
Hier gibt es zwei Fälle. Kommt die Rechnung als E-Rechnung mit XML-Daten (ebInterface, XRechnung oder ZUGFeRD), liest der Workflow die Felder direkt aus der Datei, ganz ohne Texterkennung. Kommt sie als PDF oder Foto, liest ein KI-Modell wie Gemini oder GPT die Rechnung und gibt die Werte als strukturierte Daten zurück. Bei sauberen PDFs klappt das in der Regel gut, bei schiefen Fotos und mehrseitigen Sammelrechnungen fängt erst die Prüfung aus Schritt 3 die Fehler ab.
Aus beiden Wegen entsteht derselbe Datensatz: Lieferant, UID-Nummer, Rechnungsnummer, Datum, Nettobetrag, Steuersatz, Bruttobetrag, Fälligkeit und Bankverbindung. Ab hier arbeitet der Workflow nur noch mit diesen Feldern, egal in welchem Format die Rechnung kam.
Schritt 3: Prüfregeln festlegen
Die Prüfung ist der Teil, der dir am meisten Ärger erspart. Diese Regeln gehören mindestens hinein:
- Summen nachrechnen: Nettobetrag plus Umsatzsteuer muss den Bruttobetrag ergeben. Das fängt viele Auslesefehler ab.
- Pflichtangaben prüfen, abgestuft nach Betrag: Bis 400 € brutto reicht eine Kleinbetragsrechnung, über 10.000 € muss deine UID-Nummer draufstehen.
- Dubletten erkennen: Gleicher Lieferant, gleiche Rechnungsnummer und gleicher Betrag bedeuten fast immer dieselbe Rechnung, die zweimal geschickt wurde.
- Bankverbindung vergleichen: Weicht die IBAN von der letzten Rechnung desselben Lieferanten ab, geht die Rechnung in die manuelle Prüfung. Gefälschte Rechnungen mit geänderter Kontonummer sind eine bekannte Betrugsmasche.
- Mit Bestellung oder Lieferschein abgleichen, wenn du Ware einkaufst: Menge und Preis müssen zur Bestellung passen.
Schritt 4: Freigabe nach Betrag staffeln
Nicht jede Rechnung braucht dieselbe Aufmerksamkeit. Die monatliche Softwarerechnung eines bekannten Lieferanten mit gleichem Betrag wie im Vormonat kann direkt in die Buchhaltung gehen. Über einer Grenze, die du festlegst, bekommt die zuständige Person einen Freigabelink per Mail oder Teams. Neue Lieferanten und geänderte Bankdaten laufen immer über zwei Personen. So landet deine Zeit bei den Rechnungen, bei denen ein Fehler Geld kostet.
Schritt 5: An die Buchhaltung übergeben
Die geprüften Daten gehen samt Beleg an das System, mit dem du oder deine Steuerkanzlei bucht, etwa BMD, RZL oder DATEV. Welche Schnittstelle dafür in Frage kommt, hängt vom Hersteller und deiner Lizenz ab. Arbeitet deine Kanzlei mit einem eigenen Upload-Portal, übergibt der Workflow die Belege dort. Einen Kontierungsvorschlag kann das System aus früheren Buchungen desselben Lieferanten ableiten. Für Kanzleien gibt es dazu eine eigene Seite: KI-Automatisierung für Steuerberater.
Schritt 6: Zahlung vorbereiten und archivieren
Aus Fälligkeit und Skontofrist entsteht ein Zahlungsvorschlag. Rechnungen mit Skonto rücken nach vorn, damit du den Abzug nicht verpasst. Die Überweisung selbst gibst du im Onlinebanking frei, der Workflow kann die Daten dafür vorbereiten. Danach wandert die Rechnung ins Archiv, bei einer E-Rechnung samt XML-Datei. Aufbewahren musst du sie laut § 132 BAO sieben Jahre ab Ende des Kalenderjahres. Leg einen festen Ablageort an, auf den auch deine Steuerkanzlei zugreifen kann, und sorg dafür, dass niemand Dateien nachträglich ändert.
Belegerfassung automatisieren in der Steuerkanzlei
In einer Steuerkanzlei läuft derselbe Ablauf, nur kommen die Belege von vielen Mandanten. Den Teil vor der Buchung kann ein Workflow übernehmen, die fachliche Prüfung bleibt in der Kanzlei.
„Der Einsatz von KI kann repetitive und standardisierte Aufgaben, wie z. B. die Belegverarbeitung, Datenextraktion und Vorprüfung von Steuererklärungen, automatisieren. Dadurch werden manuelle Tätigkeiten und Routinearbeiten reduziert bzw. entfallen und die Effizienz wird gesteigert.“
Bundessteuerberaterkammer (BStBK, Deutschland), FAQ: KI im steuerberatenden Berufsstand, Stand 27. Januar 2026
Warum kostet die Belegerfassung Kanzleien so viel Zeit?
Die Belege kommen per Mail, über das Mandantenportal, als Scan, als Handyfoto oder auf Papier. Bevor jemand bucht, muss jeder Beleg gesammelt und dem richtigen Mandanten zugeordnet sein. Papier ist dabei noch verbreitet. Laut der Digitalisierungsumfrage der deutschen DATEV vom Mai 2025 arbeiten 43 % der befragten Kanzleien nahezu komplett papierlos, mehr als die Hälfte also nicht. Als stärkstes Hemmnis nennen die Kanzleien dort die Akzeptanz oder Eignung der Mandanten. Dazu kommt der Fachkräftemangel. Wer Fachkräfte im Team hat, setzt sie lieber für Plausibilitätsprüfung und Mandantengespräche ein als fürs Abtippen von Kassenbons.
Was der Workflow in der Kanzlei zusätzlich können muss
Der Workflow muss jeden Beleg dem richtigen Mandanten zuordnen. Das klappt am besten, wenn jeder Mandant über einen festen Kanal liefert, etwa das Mandantenportal oder einen eigenen Upload-Link. Danach braucht der Workflow die Kontenlogik der Kanzlei. In Österreich ist das der Kontenplan, mit dem die Kanzlei etwa in BMD oder RZL bucht. SKR03 und SKR04 sind DATEV-Kontenrahmen für Deutschland. Dazu kommen Kostenstellen und Sonderkonten, die nur einzelne Mandanten haben. Ignoriert ein System diese Regeln, korrigiert die Buchhaltung jeden Monat dieselben Fehler. Für die Aufbewahrung gilt auch hier § 132 BAO, siehe Schritt 6.
Jede Kontierung, die jemand in der Kanzlei von Hand korrigiert, sollte als Regel zurück ins System gehen. Sonst klärst du denselben Fall jeden Monat neu, und wenn die zuständige Sachbearbeiterin auf Urlaub ist, fängt jemand anderer bei null an. Mit jeder Regel wird auch der Kontierungsvorschlag aus Schritt 5 genauer.
Mit welchen Mandanten und Belegen du anfängst
Fang mit wenigen Mandanten an, die schon digital arbeiten. So testest du den Ablauf an echten Belegen, während das Tagesgeschäft normal weiterläuft. Schick den Mandanten eine kurze Anleitung mit einem Kanal und einem Format. Je weniger Übermittlungswege es gibt, desto weniger Rückfragen kommen auf beiden Seiten.
Am einfachsten sind wiederkehrende Rechnungen, etwa für Miete, Leasing, Software-Abos oder den Wareneinkauf beim Stammlieferanten. Format und Kontierung bleiben dort jeden Monat gleich. Kassenbons und Spesenbelege eignen sich als zweiter Schritt. Davon gibt es viele, aber sie sind einfach aufgebaut. Auslandsrechnungen mit anderem Steuersatz und handschriftliche Quittungen prüft am Anfang weiter ein Mensch.
Was die Kanzlei davon hat
Die Zeit, die beim Sortieren frei wird, kann in Beratung fließen oder in mehr Mandate bei gleicher Personalstärke. Miss vor dem Start, wie lange die Belegerfassung pro Mandant dauert, und vergleiche nach der Einführung. Zeig das Ergebnis dem Team offen, das hilft gegen Skepsis. Welche Module ich für Kanzleien baue, steht auf der Seite Automatisierung für Steuerkanzleien.
Welche Software passt zur Rechnungsverarbeitung?
Du kannst die Rechnungsverarbeitung automatisieren, ohne gleich neue Software zu kaufen. Es gibt drei Wege, welcher passt, hängt davon ab, wie viele Rechnungen du hast, aus wie vielen Kanälen sie kommen und wie viele Personen freigeben.
| Weg | Passt, wenn | Grenzen |
|---|---|---|
| Belegerfassung in der Buchhaltungssoftware | du ohnehin mit BMD, RZL oder DATEV arbeitest und die Rechnungen gesammelt dort landen | du arbeitest im Rahmen dessen, was der Hersteller vorsieht |
| Spezialisierte Software für den Rechnungseingang | viele Rechnungen, mehrere Freigabestufen, mehrere Standorte | laufende Lizenzkosten, oft pro Nutzer oder pro Beleg, dazu Einarbeitung |
| Eigener Workflow mit n8n und KI-Modell | Rechnungen aus vielen Kanälen, eigene Prüfregeln, Daten sollen auf einem Server in Europa (EU) bleiben | jemand muss den Ablauf bauen und warten |
Die Einschätzung stammt von uns. Was die gängigen Automatisierungswerkzeuge kosten und wo sie Daten speichern, steht im Tool-Vergleich n8n, Make, Zapier und Power Automate. Das größere Bild für Betriebe in Österreich liefert der Leitfaden zur Workflow-Automatisierung.
Was bei unserem eigenen Belegscan schiefging
Unser eigenes Backoffice arbeitet seit Ende August 2026 so: Belege landen in einem Google-Drive-Ordner, ein n8n-Workflow prüft ihn alle 30 Minuten, das KI-Modell Gemini liest die Daten aus und ein Abgleich ordnet jeden Beleg der passenden Ausgabe zu. Findet sich keine, legt das System eine neue Ausgabe an. Vier Fehler haben wir dabei selbst gemacht:
- Zu großzügige Toleranz beim Betrag. Mit 5 Cent Spielraum landete eine Rechnung über 0,99 € auf einem Abo über 1,01 €. Jetzt muss der Betrag auf den Cent stimmen, bei Gleichstand entscheiden Lieferant und Datum.
- Ein verschluckter Fehler. Als die Datenbank einmal nicht antwortete, lief der Scan weiter und hielt schon verarbeitete Dateien für neu. Aus 8 Rechnungen wurden über hundert doppelte Einträge. Seitdem bricht ein Lauf bei jedem Fehler ab.
- Handyfotos im HEIC-Format. iPhones speichern Fotos so, der erste Scan hat diese Dateien ohne Meldung übersprungen. Teste darum mit echten Belegen aus allen Quellen.
- Fehlende Stammdaten. Fehlte die erwartete Abo-Buchung, suchte der Abgleich den nächstbesten Treffer und wählte den falschen. Lege zuerst Lieferanten und Abos sauber an.
Alle vier Fehler fielen erst im laufenden Betrieb auf, beim Gegenlesen der Buchungen. Wenn du deine Rechnungsverarbeitung automatisieren lässt, plane darum eine Kontrollphase ein, in der du jede Zuordnung prüfst. Wenn du wissen willst, wie so ein Ablauf mit deinen Rechnungen aussieht, schau ihn dir mit uns im kostenlosen Erstgespräch an.
Datenschutz: Rechnungen, KI und Serverstandort
Bevor du die Rechnungsverarbeitung automatisieren lässt, kläre, wo die Daten landen. Rechnungen enthalten Namen, Adressen und Bankdaten, bei Einzelunternehmen und Ansprechpersonen sind das personenbezogene Daten. Liest ein KI-Dienst deine Rechnungen, verarbeitet er diese Daten in deinem Auftrag. Du brauchst dann einen Auftragsverarbeitungsvertrag mit dem Anbieter und solltest wissen, wo die Verarbeitung stattfindet. Am einfachsten ist ein Workflow auf einem Server in Europa (EU) und ein KI-Modell, dessen Anbieter eine Verarbeitung in der EU zusagt und deine Daten nicht zum Training verwendet. Im Zweifel klärt das dein Datenschutzberater.
Wer setzt das in Österreich um, und was kostet es?
AI Workflow (Mitja Beuthe, Klagenfurt am Wörthersee) baut solche Abläufe mit n8n, vom Abgleich über die Freigabe bis zur Übergabe an BMD, RZL oder DATEV. Ein Modul löst einen Prozess. Du zahlst ab 249 € pro Modul, dazu kommen laufende Kosten für Betreuung und Hosting je nach Umfang. Außerdem fallen Toolkosten von 30 bis 100 € pro Monat für n8n-Hosting und KI-API an. Der Workflow läuft auf einem Server in Europa (EU), mit Auftragsverarbeitungsvertrag. Für meine eigenen Belege nutze ich seit Ende August 2026 einen ähnlichen Ablauf.
Fazit: Rechnungsverarbeitung automatisieren, bevor die Pflicht kommt
Auf eine E-Rechnungspflicht musst du nicht warten. Wer 50 oder mehr Eingangsrechnungen im Monat hat, gewinnt mit einem automatisierten Ablauf in der Modellrechnung rund einen Arbeitstag pro Monat zurück, und die Freigabe bleibt trotzdem bei dir. Fang mit einer Sammeladresse und den Rechnungen deiner fünf häufigsten Lieferanten an, lies in den ersten Wochen jede Buchung gegen und erweitere dann. Wenn du die Rechnungsverarbeitung automatisieren lässt und PDF wie XML von Anfang an einplanst, musst du 2030 nichts umbauen.
Wie viel Zeit das in deinem Betrieb frei macht, kannst du mit dem ROI-Rechner überschlagen. Was ein Modul umfasst, steht unter Angebote.
Häufige Fragen zur Rechnungsverarbeitung
Wie kann ich Eingangsrechnungen automatisch erfassen?
Leg eine eigene Adresse wie rechnung@deinefirma.at an und lass alle Lieferanten dorthin schicken. Ein Workflow, etwa mit n8n, holt die Anhänge ab. E-Rechnungen im XML-Format liest er direkt, PDF-Dateien und Handyfotos liest ein KI-Modell aus. Heraus kommen Lieferant, Rechnungsnummer, Datum, Beträge, Steuersatz und Bankverbindung. Diese Daten prüft der Workflow gegen Regeln und legt sie dir zur Freigabe vor, bevor sie in die Buchhaltung gehen.
Ist die E-Rechnung in Österreich Pflicht?
Zwischen Unternehmen gibt es in Österreich Stand September 2026 keine Pflicht zur E-Rechnung. Pflicht ist sie seit 1. Jänner 2014 für Rechnungen an Bundesdienststellen, die über das Unternehmensserviceportal oder PEPPOL eingebracht werden müssen. Seit April 2025 dürfen EU-Staaten laut dem ViDA-Paket eine nationale Pflicht einführen, Österreich hat das nicht beschlossen. Für Lieferungen an Unternehmen in anderen EU-Staaten wird die E-Rechnung ab 1. Juli 2030 verpflichtend.
Wie senke ich die Kosten der Rechnungsbearbeitung?
Bündle alle Rechnungen an einer Adresse, lass die Daten automatisch auslesen und prüfe per Regel auf Summenfehler, Dubletten und geänderte Bankdaten. Staffle die Freigabe nach Betrag, damit kleine Routinerechnungen niemand mehr anfassen muss. In unserer Modellrechnung sinkt der Aufwand so von 12 auf 2 Minuten pro Rechnung, bei 50 Rechnungen im Monat sind das gut 8 Stunden weniger. Dazu kommt Skonto, das du nicht mehr verpasst, weil der Zahlungsvorschlag die Fristen kennt.
Kann KI Rechnungen zuverlässig auslesen?
Bei sauberen PDF-Rechnungen stimmen die Werte in der Regel, bei schiefen Handyfotos oder mehrseitigen Sammelrechnungen passieren Fehler. Darum gehört hinter das Auslesen immer eine Prüfung: Nettobetrag plus Steuer muss den Bruttobetrag ergeben, die Rechnungsnummer darf nicht doppelt vorkommen und die Bankverbindung muss zum Lieferanten passen. Was eine Regel verletzt, landet bei einem Menschen. E-Rechnungen im XML-Format brauchen kein Auslesen, die Daten stehen dort schon strukturiert drin.
Wie lange muss ich Eingangsrechnungen aufbewahren?
In Österreich sieben Jahre, gerechnet ab dem Ende des Kalenderjahres, in dem die Rechnung verbucht wurde (§ 132 BAO). Elektronische Aufbewahrung ist erlaubt, solange die Rechnung vollständig, geordnet, inhaltsgleich und jederzeit lesbar wiedergegeben werden kann. Bei einer E-Rechnung bewahrst du am besten die gelieferte Datei samt XML auf. Für Rechnungen im Zusammenhang mit Grundstücken gelten längere Fristen, frag dazu deine Steuerkanzlei.
Ist automatisierte Belegerfassung DSGVO-konform?
Ja, wenn der Aufbau stimmt. Belege enthalten oft personenbezogene Daten, etwa Namen oder Bankverbindungen. Mit jedem Dienst, der sie verarbeitet, brauchst du einen Auftragsverarbeitungsvertrag. Kläre vor dem Start, wo die Verarbeitung stattfindet und wie lange Daten gespeichert bleiben. Am einfachsten läuft der Workflow auf einem Server in Europa (EU). Das Archiv bewahrst du in Österreich nach § 132 BAO sieben Jahre auf. Leg außerdem fest, wann Daten nach Ablauf dieser Frist gelöscht werden.
Funktioniert das mit BMD und RZL oder nur mit DATEV?
Mit allen dreien. BMD, RZL und DATEV bleiben das führende System, der Workflow sitzt davor. Er sammelt die Belege, liest sie aus, prüft sie und übergibt sie im Importformat oder über eine Schnittstelle. Welcher Weg bei dir geht, hängt von Hersteller und Lizenz ab, das klärst du vor dem Start. Die Steuererklärung läuft weiter über FinanzOnline, in Deutschland über ELSTER. Daran ändert die Automatisierung nichts.
Ersetzt die KI die Prüfung durch die Steuerfachkraft?
Nein. Der Workflow übernimmt die Routine bis zum Kontierungsvorschlag. Auffällige oder unklare Belege landen in einer Prüfliste, dort entscheidet ein Mensch. Welche Regeln gelten und was als Ausnahme zählt, legt die Kanzlei fest, und die fachliche Verantwortung bleibt bei ihr. Auch die deutsche Bundessteuerberaterkammer hält in ihren FAQ zu KI fest, dass Entscheidungen und Verantwortung beim Menschen liegen. Die frei gewordene Zeit geht in Plausibilitätsprüfung und Mandantengespräche.
Wie läuft die Einrichtung ab?
Zuerst legst du einen einzigen Eingang fest, etwa eine Sammeladresse oder das Mandantenportal. Danach folgen Auslesen und Prüfregeln, am Ende die Übergabe an die Buchhaltung. Der Test läuft mit echten Belegen aus allen Quellen, auch mit Handyfotos. In der ersten Phase prüfst du jede Zuordnung und machst aus Korrekturen neue Regeln. Kanzleien starten am besten mit wenigen Mandanten, die schon digital arbeiten. Wie lange das bei dir dauert, hängt von Kanälen und Belegarten ab. Eine Einschätzung für deinen Fall bekommst du im kostenlosen Erstgespräch.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Recherche und Entwurf liefen mit KI-Unterstützung, die Rechtsangaben und Zahlen haben wir gegen die verlinkten Quellen geprüft (Stand September 2026, Abschnitt für Steuerkanzleien Oktober 2026). Die Erfahrungswerte stammen aus unserem eigenen Belegscan. Der Artikel ersetzt keine Steuerberatung.
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